Engagiert seit 75 Jahren

Der Einsatz des Kantons Zürich für den Natur- und Landschaftsschutz reicht bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurück und wird auch in Zukunft von grosser Bedeutung sein, denn der Druck auf die wertvollen, naturnahen Flächen ist hoch.

Natur- und Landschaftsschutz früher

Pionierarbeit: Der Kanton Zürich geht neue Wege

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Am Greifensee, wo 1942 die Geschichte von Natur- und Landschaftsschutz begann.
© Andreas Baumann

Das Bewusstsein, dass seine grossen Naturwerte gefährdet und schützenswert sind, ist im Kanton Zürich schon seit mehr als hundert Jahren vorhanden. Mit der Verordnung zum Natur- und Heimatschutz vom 9. Mai 1912 und der gleichzeitigen Gründung einer Natur- und Heimatschutzkommission hat der Regierungsrat die ersten wichtigen Grundlagen für den Naturschutz im Kanton geschaffen.  

1942 leistete die Zürcher Regierung erneut Pionierarbeit: Mitten im Zweiten Weltkrieg und unter den Bedingungen der «Anbauschlacht» stellte sie die Ufer des Greifensees unter Schutz. Zur selben Zeit engagierte der Kanton seinen ersten Beauftragten für Fragen des Natur- und Landschaftsschutzes. Damit anerkannte der Kanton den Natur- und Landschaftsschutz als staatliche Aufgabe. Schon damals war klar, dass die Siedlungsentwicklung den Kanton nachhaltig prägen wird. Bis in die 50er Jahre standen jedoch keine wirksamen Planungsinstrumente zur Verfügung, um die zunehmende Bautätigkeit in geregelte Bahnen zu lenken und beispielsweise die begehrten Uferzonen kleiner Seen von Bauten freizuhalten. Deshalb wurde in den 40er Jahren das Instrument der Schutzverordnung (SVO) aus der Taufe gehoben: Der Greifensee war das erste Gebiet, das eine Schutzverordnung erhielt. Es folgten 1944 der Türlersee, 1945 der Hüttnersee, 1948 der Pfäffikersee und 1956 der Katzensee.

Natur- und Landschaftsschutz aktuell

Auf Kurs: Der kantonale Einsatz zeigt Wirkung

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Schützenswerte Landschaft: die Rheinschleife bei Rheinau mit dem Kloster.
© ARE Raumplanung

In den vergangenen 75 Jahren ist es den Fachstellen gelungen, rund tausend grössere und kleinere Gebiete als Natur- oder Landschaftsschutzgebiete auszuweisen. Der grösste Teil davon ist heute auch geschützt. Um diese Gebiete in ihrer Natürlichkeit und Vielfalt zu erhalten, gelten für ihre Nutzung besondere Schutzbestimmungen.

Landschaftsschutz und seine Aufgaben

Der Kanton Zürich besteht aus einem Mosaik aus verschiedenen Landschaften. «Landschaft» ist überall anzutreffen – mitten in der Stadt, in der Agglomeration, im Unter- und im Oberland. Landschaften sind Ergebnisse einer langen gemeinsamen Entwicklungsperiode von Mensch und Natur. Alle haben ihre Besonderheiten und sind einzigartige Zeitzeugen. Ihr Charakter und ihre Schönheit sollen auch für künftige Generationen erhalten bleiben. Viele Landschaften wurden jedoch durch Siedlungsbau, Strassen und andere Eingriffe verbaut oder stark beansprucht. Mit Schutzverordnungen stellt die Fachstelle Landschaft den Erhalt von Landschaften sicher, die aufgrund ihrer Beschaffenheit als besonders wertvoll und erhaltenswert gelten. Neue Bauten sind in diesen Bereichen entweder gar nicht erlaubt oder unterliegen verschärften Bauvorschriften, damit sie sich gut ins bestehende Landschaftsbild einfügen.

Schützenswerte Landschaften sind Zeitzeugen aus längst vergangenen Tagen. Dabei handelt es sich um Natur- und Kulturlandschaften. Mit Schutzverordnungen sorgen wir dafür, dass sie als vielfältige Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen auch für künftige Generationen erhalten bleiben.

Randolf Koch, Leiter Fachstelle Landschaft

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Regeneriertes Moor am Pfäffikersee.
© ARE Raumplanung

Naturschutz und seine Aufgaben

Die Fachstelle Naturschutz fördert die Vielfalt der einheimischen Tier- und Pflanzenarten und deren Lebensräume. Ganz zentral dafür sind die Naturschutzgebiete, welche die Hotspots der Biodiversität im Kanton Zürich sind. Die Fachstelle Naturschutz pflegt, gestaltet und schützt diese Gebiete. Denn Naturschutz bedeutet nicht, dass die Natur gänzlich sich selbst überlassen wird. Naturschutzflächen werden regelmässig bewirtschaftet und gepflegt.

Viele naturnahe, biologisch wertvolle Lebensraumtypen sind in den letzten Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen. So zum Beispiel Flach- und Hochmoore, wie sie unter anderem am Pfäffikersee noch vorkommen, oder die trockenen Magerwiesen, die früher beispielsweise im Unterland oder im Weinland häufig waren. Die heutigen Flächen reichen für die langfristige Erhaltung der Artenvielfalt nicht mehr aus. Deshalb sorgt die Fachstelle Naturschutz dafür, dass solche Gebiete wiederhergestellt oder bei Gelegenheit neu geschaffen werden.

Für verschiedene spezialisierte Pflanzen- und Tierarten, die in anderen Regionen teilweise ganz verschwunden sind, trägt der Kanton Zürich eine hohe Verantwortung. Diese gefährdeten Arten zu erhalten und zu fördern, ist eine weitere wichtige Aufgabe der Fachstelle Naturschutz.

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Auf dieser Fläche im Neeracherried soll wieder eine artenreiche Wiese entstehen. Dazu verteilen Helfer darauf wertvolles Mähgut aus der Umgebung.
© Andreas Baumann

Gemeinsam mit Partnern ans Ziel kommen

Naturschutz gelingt nur in Partnerschaft. So beteiligen sich rund 1700 Landwirte an der Pflege der überkommunalen Naturschutzgebiete. Bei der Umsetzung der Naturschutzziele im Wald ist der Forstdienst der zentrale Partner. Die Gemeinden kümmern sich um die kommunalen Naturschutzgebiete und sind häufig Träger von Vernetzungsprojekten. Und in den lokalen Naturschutzvereinen leisten Hunderte von Freiwilligen einen grossen und unverzichtbaren Einsatz in der Naturschutzgebietspflege und der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit.

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Abendstimmung auf dem Schnebelhorn (1292 m ü. M.), dem höchsten Gipfel im Kanton Zürich.
© Andreas Hofstetter

Naturschutz-Gesamtkonzept: Messlatte für den kantonalen Einsatz

Der Regierungsrat hat 1995 das Naturschutz-Gesamtkonzept (NSGK) festgesetzt. Darin konkretisierte er, wie er den Natur- und Landschaftsschutz im Kanton Zürich handhaben wollte. Nach zehn Jahren zog der Kanton eine erste Zwischenbilanz zum Stand der Umsetzung. Diese zeigte, dass die Umsetzung auf Kurs ist, jedoch verstärkte Anstrengungen nötig sind, um die Ziele zu erreichen.

2015 hat die Fachstelle Naturschutz die Zielerreichung erneut evaluiert. Die Bilanz: Der Einsatz des Kantons Zürich für den Natur- und Landschaftsschutz zeigt weiterhin Wirkung. Die gesteckten Ziele sind jedoch erst zur Hälfte erreicht, und es dauert heute länger, bis weitere Erfolge erzielt werden. Aufgrund vielfältiger weiterer Interessen wird es immer aufwändiger, die naturnahen Lebensräume zu schützen und zu erhalten. Um die angestrebten Ziele zu erreichen, sind massgeblich mehr Mittel nötig, unter anderem weil Qualität auch im Natur- und Landschaftsschutz ihren Preis hat.

Natur- und Landschaftsschutz in Zukunft

Dranbleiben: Es gibt noch viel zu tun

Um die Biodiversität im Kanton Zürich und in der gesamten Schweiz steht es – trotz vielfältigen Bemühungen – schlechter, als die meisten glauben. Viele Natur- und Landschaftsräume sind durch menschliche Eingriffe monoton und artenarm geworden und stehen nach wie vor unter Druck. Die Gründe dafür sind zahlreich: Die Siedlungsflächen dehnen sich weiter aus, Infrastrukturbauten wie Strassen und Bahnlinien beanspruchen mehr Platz, Pestizide und Düngemittel aus Landwirtschaftsflächen verbreiten sich im Boden und übers Wasser, und der Mensch beansprucht für seine Freizeitaktivitäten mehr Platz in der Natur.

Wir müssen den rund tausend kleineren und grösseren geschützten Gebieten auch künftig Sorge tragen, weil sie weiterhin unter Druck stehen.

Ursina Wiedmer, Leiterin Fachstelle Naturschutz

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Wälder liefern nicht nur sauberes Trinkwasser, sondern schützen auch vor Erdrutschen.
© Andreas Hofstetter

Natur- und Landschaftsschutz als wichtiger Standort- und Wirtschaftsfaktor

Der Natur- und Landschaftsschutz fördert nicht nur die Artenvielfalt, sondern ist auch wirtschaftlich von grosser Bedeutung: In einer immer städtischeren, technisierteren Welt bietet uns die Natur Ausgleich und Erholung. Sie ist ein wichtiger Pfeiler der Standortattraktivität des Kantons Zürich und leistet mit ihren unterschiedlichen Ökosystemen unzählige für den Menschen wichtige Aufgaben quasi gratis:

  • Ein natürlich fliessender Fluss verhindert grössere Hochwasserschäden.
  • Pflanzen reinigen die Luft, machen aus CO2 Sauerstoff und wirken kühlend auf das Klima.
  • Gesunde Wälder liefern sauberes Trinkwasser, schützen Häuser vor Erdrutschen.
  • Insekten sind wichtige Bestäuber. Dank ihnen wachsen unsere Nutzpflanzen, von denen wir uns ernähren.

Der Schutz der Natur ist somit auch von hoher Bedeutung für die Wirtschaft und kommende Generationen.

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Im Trend: sich im Natur- und Landschaftsschutzgebiet erholen.

Die Natur als Balsam für die Seele

Immer mehr Menschen suchen den Ausgleich zum hektischen Arbeitsalltag in der Natur. Draussen im Grünen seinem Hobby nachgehen oder einfach die Seele baumeln lassen. Naturnahe Orte lassen uns zur Ruhe kommen und Auftanken. Menschen brauchen in ihrem Alltag schöne Landschaften in ihrer Umgebung, erreichbare Oasen, um sich dort zu erholen. Dies ist nicht zuletzt der Grund dafür, dass die geringe Distanz zu Naherholungsgebieten auch als Verkaufsargument für Immobilien genutzt wird. Und es ist wissenschaftlich erwiesen, dass dieser Erholungseffekt in der Natur die Gesundheitskosten für alle senkt.

Der Natur- und Landschaftsschutz dient der Natur und dem Menschen. Denn wo sich viele Pflanzen und Tiere wohl fühlen, fühlt sich auch der Mensch wohl.

Ursina Wiedmer, Leiterin Fachstelle Naturschutz